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Krisen – wenn das Leben eine neue Richtung annimmt

22. Aug.
3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 5. Sept.



Warum Wendepunkte oft der Beginn von etwas Neuem sind


Viele Frauen erleben die Lebensmitte zunächst als Verunsicherung. Der Körper verändert sich, vertraute Rollen wandeln sich, Kinder gehen ihren eigenen Weg, berufliche oder persönliche Fragen tauchen neu auf.

Manches, was viele Jahre getragen hat, fühlt sich plötzlich nicht mehr stimmig an.

Einige erleben diese Zeit zunächst als Krise – als Zeichen dafür, etwas falsch gemacht oder eine falsche Entscheidung getroffen zu haben.


Vielleicht lohnt sich eine andere Sichtweise.


Das griechische Wort krisis bedeutet ursprünglich Entscheidung oder Wendepunkt. In der antiken Medizin bezeichnete es den entscheidenden Moment, an dem sich zeigte, ob ein Mensch genesen konnte oder nicht.

Vielleicht liegt genau darin eine schöne Metapher für unser Leben.

Auch persönliche Krisen können Wendepunkte sein – Momente, in denen wir eingeladen sind, innezuhalten, neu zu wählen und unserem Leben eine andere Richtung zu geben.


Vielleicht meldet sich gerade ein Anteil in uns, der lange im Verborgenen gelebt hat und nun endlich gesehen werden möchte.

Aus meiner Beobachtung und Erfahrung möchte oft eine bisher ungelebte Begabung, eine innere Kraft, eine Sehnsucht oder eine neue Aufgabe ans Licht treten.

Manchmal will uns das Leben darauf hinweisen, dass ein Weg, der lange richtig für uns war, nun zu Ende geht – und ein neuer beginnen darf.


Carl Gustav Jung beschrieb diesen Prozess als Einladung, sich dem eigenen Schatten zuzuwenden. Damit meinte er nicht nur verdrängte Verletzungen oder schmerzhafte Erfahrungen, sondern ebenso ungelebte Möglichkeiten, verborgene Begabungen und Seiten unseres Wesens, die bisher keinen Raum bekommen haben.

Ich stelle mir das manchmal wie eine Schale voller Perlen vor.

Darin liegen helle Perlen – unsere Talente, unsere Freude, unsere Kreativität und unsere Stärken.

Aber auch dunklere Perlen – Ängste, Verletzungen, Zweifel oder Erfahrungen, die wir lieber nicht anschauen möchten.


Beides gehört zu uns und möchte gesehen werden.


Vielleicht besteht persönliches Wachstum nicht darin, nur nach den weißen Perlen zu suchen, sondern den Mut zu entwickeln, die ganze Schale in die Hand zu nehmen.


Manche Menschen würden sagen, die erste Lebenshälfte dient vor allem dem Aufbau: Lernen, Beruf, Familie, Verantwortung übernehmen.

Die zweite Lebenshälfte lädt uns oft dazu ein, uns selbst noch einmal neu zu begegnen.

Nicht, um unser bisheriges Leben infrage zu stellen.

Sondern um das weiterzuentwickeln, was bereits in uns angelegt ist.


Wer einen spirituellen Blick auf das Leben hat, würde vielleicht sagen, dass sich nun ein neuer Abschnitt des eigenen Seelenweges öffnet. Andere sprechen von persönlicher Reifung oder dem Prozess der Individuation.


Welche Sprache wir auch wählen – vielleicht geht es letztlich immer darum, mehr und mehr der Mensch zu werden, der wir im Innersten bereits sind.


Auch in meinem eigenen Leben gab es einige Wendepunkte, gegen die ich mich zunächst gesträubt oder angekämpft habe. Erst rückblickend konnte ich erkennen, dass sie mich oft näher zu mir selbst geführt haben.


Manche Wege verstehen wir erst, wenn wir ein Stück weitergegangen sind.


Heute erlebe ich in meiner Begleitung immer wieder, dass genau dort, wo Menschen zunächst nur Schmerz, Unsicherheit oder Stillstand sehen, häufig ihre größte Entwicklungsmöglichkeit verborgen liegt.

Ja, Krisen sind herausfordernd und zugleich sind sie oft eine Einladung, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten.



Ein Impuls zum Innehalten


Vielleicht kannst Du das, was dir gerade begegnet, einmal aus einer anderen Perspektive betrachten.


Welche Perle möchte in Deinem Leben gerade gesehen werden?

Vielleicht ist es eine Begabung, die lange im Hintergrund geblieben ist.

Vielleicht eine Erfahrung, die verstanden werden möchte.

Vielleicht eine Sehnsucht, der Du bisher keinen Raum gegeben hast.

Nicht alles, was sich in einer Krise zeigt, ist gegen Dich.



Herzlichst, Simone

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