Wie bleibt eine Frau mit sich selbst verbunden, während sie mitten im Leben steht?
- Simone Lier
- 2. Juli
- 2 Min. Lesezeit

Es gibt Lebensphasen, in denen vieles gleichzeitig geschieht. Die berufliche Verantwortung wächst, die Kinder werden größer oder verlassen das Haus, Eltern benötigen Unterstützung, Beziehungen verändern sich und auch der eigene Körper beginnt, neue Signale zu senden.
Vieles, was über Jahre selbstverständlich funktioniert hat, gerät in Bewegung.
Viele Frauen erleben diese Zeit als einen tiefen Entwicklungsprozess. Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Gewohnte Rollen, Lebensmodelle und Prioritäten werden hinterfragt. Gleichzeitig entsteht oft der Wunsch, den eigenen Weg bewusster weiterzugehen.
Dabei taucht eine Frage auf, die mich seit vielen Jahren begleitet:
Wie bleibt eine Frau mit sich selbst verbunden, während sie mitten im Leben steht?
In meiner Arbeit begegne ich Frauen, die täglich Verantwortung übernehmen – für ihre Familie, ihren Beruf, ihre Mitarbeitenden, Projekte oder Angehörige. Sie organisieren, begleiten, entscheiden, unterstützen und halten vieles zusammen. Nach außen wirken sie häufig kompetent und belastbar.
Doch im Inneren spüren viele, dass etwas Wesentliches leiser geworden ist: die Verbindung zu sich selbst.
Das geschieht selten plötzlich. Viel häufiger ist es ein schleichender Prozess. Irgendwann meldet sich der Körper. Vielleicht durch Erschöpfung, Verspannungen, Schlafstörungen, innere Unruhe oder das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Nicht als Gegner, sondern als Wegweiser.
Ich glaube, dass viele Frauen in dieser Lebensphase nicht noch mehr Wissen oder die nächste Methode brauchen. Was ihnen oft fehlt, ist ein Raum, um sich selbst wieder wahrzunehmen – den eigenen Körper, die eigenen Bedürfnisse und die innere Orientierung in der Lebensmitte, die unter den Anforderungen des Alltags oft in den Hintergrund gerückt ist.
Deshalb bildet der körperorientierte Ansatz einen wichtigen Schwerpunkt meiner Arbeit. Unser Körper begleitet uns ein Leben lang. Er erinnert uns daran, wenn wir unsere Grenzen übergehen, wenn wir dauerhaft gegen unsere Bedürfnisse leben oder wenn Veränderungen anstehen, die unser Verstand vielleicht noch gar nicht wahrhaben möchte.
Selbstverbundenheit bedeutet für mich nicht, sich aus dem Leben zurückzuziehen. Sie bedeutet auch nicht, perfekt zu sein oder sich ständig selbst zu optimieren. Sie bedeutet, sich selbst inmitten des Lebens nicht zu verlieren – mitten in Verantwortung, mitten in Veränderungen und mitten im Alltag.
Aus dieser Verbindung entstehen Klarheit, innere Stabilität und die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die wirklich zum eigenen Leben passen.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Fähigkeiten unserer Zeit: nicht immer schneller zu werden, sondern immer wieder zu sich selbst zurückzufinden.
Ich sehe meine Arbeit deshalb nicht darin, Antworten vorzugeben. Ich möchte vielmehr daran erinnern, dass jeder Mensch bereits vieles in sich trägt, was für den eigenen Weg wichtig ist. Manchmal braucht es lediglich einen geschützten Raum, einen neuen Blickwinkel oder einen kleinen Impuls, damit diese innere Orientierung wieder spürbar wird.
Vielleicht beginnt Entwicklung nicht mit einer großen Entscheidung.
Vielleicht beginnt sie mit einem Moment des Innehaltens, mit einem bewussten Atemzug oder mit der Bereitschaft, sich selbst wieder zuzuhören.
Ein Impuls zum Innehalten ...
Wie verbunden fühlst du dich im Moment mit dir selbst?
Nicht mit deinen Aufgaben.
Nicht mit deinen Rollen.
Sondern mit der Frau, die all das trägt.
Vielleicht genügt heute schon ein kleiner Moment der Aufmerksamkeit, um dir selbst wieder ein Stück näherzukommen.
Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch die Antworten für seinen Weg bereits in sich trägt. Manchmal braucht es einen geschützten Raum, Vertrauen und eine achtsame Begleitung, damit sie wieder hörbar werden.
Herzlichst, Simone Lier



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